Elisabeth Duncan: Das Leben im Zeichen der Buschbohne

Buchcover Das Leben im Zeichen der Buschbohne von Elisabeth DuncanDas Debüt von Elisabeth Duncan erschien am 20. Mai 2017. Der heitere Roman ist also noch recht frisch, aber dennoch hat sie damit in einschlägigen Büchergruppen einiges an Aufmerksamkeit erreicht. Die Leser diskutieren vor allem über den Titel, den die meisten wohl recht lustig finden. Und manche fragen sich, was das Leben wohl mit Buschbohnen zu tun haben könnte. Die Philosophie, die dahintersteckt, ist überhaupt kein Geheimnis, denn sie ist bereits auf dem Klappentext zu lesen. Man muss sich auf Augenhöhe begeben, wenn man die Früchte einer Pflanze sehen will. Und das ist nicht nur bei Buschbohnen so, bei denen man im Blick von oben herab tatsächlich nur Blätter und keine Früchte sieht – sondern auch beim Menschen. Es geht also um Augenhöhe.

Gegen Schubladendenken und Vorurteile

Man kennt sie, diese Menschen, die andere immer von oben herab anschauen und diese dann auch entsprechend behandeln. Sie reduzieren andere Menschen auf ihre Unzulänglichkeiten und übersehen ihre Stärken. Solche Menschen halten sich selbst für etwas Besseres, sie stempeln ab, sie verurteilen und sie stecken in Schubladen. In diesem lustigen und flüssig zu lesenden Roman geht es um die Protagonistin Marietta, die ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt.

Marietta ist anders

Sehr anders sogar. Eigentlich ist sie herrlich normal und anfangs denkt man noch, sie muss irgendwie hängen geblieben sein. Da ist überhaupt keine Spur von Entwicklung. Eigentlich ist sie eine kleine Nervensäge, schlampig, chaotisch, eine junge Frau, die sich überhaupt keine Gedanken um sich und ihr Leben macht. Sie lebt einfach, und gerade in diesen ersten zwei, drei Kapiteln fällt das mit der Augenhöhe echt schwer. Man mag sie ab und zu mal durchschütteln und fragen, ob sie eigentlich nichts als Flausen im Kopf hat. Auch wenn man gleichzeitig erfährt, dass es da ein paar Dinge gibt, die sie noch zu verarbeiten hat. Der Tod ihres Vaters ist beispielsweise eines dieser Dinge. Der Vater, der ein Vermögen damit machte, Leute zu bescheißen, den sie aber trotzdem liebte und anbetete. Er fehlt ihr jetzt so sehr, dass sie regelmäßig Zwiesprache mit ihm hält, ihn sogar irgendwo sitzen sieht, wohl wissend, dass er nicht wirklich da ist.

Hochsensibilität und Empathie

Die Protagonistin ist hochsensibel und sie ist so empathisch veranlagt, dass sie Menschen spürt. Alles von ihnen. Um daran nicht zugrunde zu gehen, muss man aber mit sich selbst im Reinen sein und sich selbst spüren, damit man die eigenen Gefühle noch von denen der anderen unterscheiden kann. Und so wird sie ganz schnell, vor allem von ihrer eigenen Mutter, in die Schublade der Totalversager gesteckt. Aber sie findet sich, sie erkennt, was dahinter steckt. Und dann ist da noch Lucius, der Mann mit dem Bauernhof mitten in der Walachai, der, um überleben zu können, ein ganzes Gewächshaus voller Marihuanapflanzen im Garten stehen hat, und das Jahr für Jahr. Marietta macht sich also auf den (Lebens-)Weg. Ein Weg, der ihrer Mutter natürlich nicht passt.

Das Recht, ein Individuum zu sein

Denkweisen wie diese sind es gewesen, die Marietta auch dazu gebracht haben, ihr Studium hinzuschmeißen, sich darüber zu ärgern, dass es scheinbar immer Menschen geben muss, die glauben, anderen Menschen sagen zu dürfen, was richtig oder falsch ist. Und dann kommen, durch einen weiteren Zufall, noch die nächsten zwei Menschen hinzu, die man gesellschaftlich für Totalversager hält. Die Quintessenz ist einfach herrlich: Jeder hat das Recht auf seinen eigenen Lebensweg. Jeder hat das Recht darauf, ein Individuum zu sein. Und irgendwelche „Maßnahmen“ von staatlicher Seite her sind möglicherweise gut gedacht, am Ende aber nur ein Riesengeschäft. Es wird viel Geld verdient, und zwar auf dem Rücken derer, denen man angeblich helfen will. Letztlich wird auch deutlich, dass gerade die, die so gerne von oben herab auf andere schauen, selbst nicht ganz koscher sind. Oberflächlich, an materiellen Werten festhaltend, klammern sie sich oft an gesellschaftliche Normen um sich selbst einreden zu können, es geschafft zu haben im Leben.

Nein, wir haben nicht zu viel von der Story verraten

Wir haben nur angekratzt und interpretiert. Ein bisschen. Am Ende muss jeder seine eigene Buschbohnenphilosophie finden, so wie auch jeder Mensch das Recht hat, seinen eigenen Weg zu gehen. Das klingt nun alles sehr schwermütig, aber tatsächlich ist „Das Leben im Zeichen der Buschbohne“ ein wirklich heiterer Roman. Elisabeth Duncan erzählt einfach frei von der Leber weg, lässt dazwischen Dialoge stattfinden und Dinge passieren, und auf insgesamt 280 Seiten Taschenbuch ist jede Menge Situationskomik enthalten, die dem Leser nicht nur einen Spiegel des gesellschaftlichen Denkens vorhält, sondern ihn auch oft laut lachen lässt.

„Das Leben im Zeichen der Buschbohne“ von Elisabeth Duncan ist bei Amazon erhältlich:
Taschenbuch: 284 Seiten, Preis: 10,90 Euro
E-Book: 3,90 Euro, kein DRM, vorerst Kindle-Unlimited, Ausleihe für KU-Kunden kostenlos.

Die Facebookseite der Autorin:
https://www.facebook.com/duncanelisabeth/
Das Profil der Autorin bei Facebook:
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