Ina Lingner: Die Arschloch-Schublade

BuchcoverEin Buchtitel, der ins Auge springt: Die Arschloch-Schublade. Wir sind die Herausgeber dieses Buches. Aus diesem Grund werden wir uns hüten, eine Rezension zu verfassen. Das dürfen die Leser/Innen tun. Wobei dieses Buch eindeutig für Frauen verfasst wurde. Und zwar für Frauen, die verlassen wurden. Statt einer Rezension publizieren wir an dieser Stelle, abgesehen von Klappentext und einer Autoren-Info ein Interview mit der Autorin des Ratgebers für Frauen, die das Leiden nach einer Trennung überwinden möchten.

Klappentext:

Gestern noch glücklich – und plötzlich ist alles aus und vorbei. Die meisten Trennungen sind schon Monate vorher absehbar, aber eben nicht immer. Manchmal glaubt einer von beiden noch an eine Krise und will daran arbeiten, während der andere bereits die Trennung vorbereitet. In solchen Zeiten stellt uns das Leben vor eine der größten Herausforderungen: Jetzt heißt es, den Schock zu verkraften, mit dem Schmerz fertig zu werden, das Leben neu zu ordnen. Darüber hinaus sind die wenigsten Trennungen fair und nicht alle Expartner verhalten sich nach einer Trennung noch freundlich und wertschätzend. Manchmal muss man tatsächlich mit der Erkenntnis leben, sich in diesem einen Menschen massiv getäuscht zu haben – vielleicht sogar jahrelang. Verlassene Menschen fühlen sich häufig wie ein Sack Müll, der achtlos an den Straßenrand gestellt wurde: Wertlos, abgeschoben, ausgetauscht, verraten und verkauft von dem Menschen, den man sehr geliebt hat.

Am Beispiel von Alexandra, die mit Mitte vierzig nach vielen Jahren Beziehung den Menschen verlor, den sie für ihre große Liebe hielt, erzählt Ina Lingner nicht nur die Geschichte einer sehr schmerzhaften Trennung, sondern auch eine von ganz besonders schmerzhaften Erkenntnissen. Einfühlsam erklärt sie, welche Fehler eine verlassene Frau unbedingt vermeiden sollte, wenn sie jemals darüber hinwegkommen möchte – und sie zeigt zuverlässige Wege auf, um wieder ins Leben zurück zu finden. „Es wird immer davon gesprochen, dass Trennungen für beide Seiten schmerzhaft sind“, sagt Ina Lingner. „Aber wer verlassen wird, leidet definitiv mehr und viel länger. Und natürlich werden auch Männer verlassen und leiden fürchterlich. Aber als Frau und Ansprechpartnerin vorwiegend für Frauen kann ich eben nur aus weiblicher Sicht sprechen. Dieses Buch soll verlassenen Frauen nicht nur Trost und Kraft vermitteln, sondern ihnen auch dabei helfen, wieder die Kontrolle über ihr Leben zu übernehmen.“

Interview mit Ina Lingner

Ina, was hat dich dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben? 
Wie der Klappentext schon sagt: Menschen, die verlassen wurden, leiden. Mir sind in den letzten Jahren einfach ziemlich viele Frauen begegnet, die unter ihrer Trennung auch Jahre später noch schwer gelitten haben. Sie haben das Ganze niemals verarbeitet und wenn man diese Geschichten hört, wird auch klar, warum das so ist.

Woran merkt man denn, wenn eine Trennung noch nicht verarbeitet ist, obwohl sie Jahre zurückliegt? 
Dafür gibt es viele Anzeichen: Häufiges Grübeln, Verbitterung (die muss man sich aber erst mal eingestehen), Gefühle von Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle, Vertrauensverlust, Rückzug, Depressionen … die Liste ist sehr lang. Nicht alle Anzeichen müssen zutreffen, Menschen sind individuell.

Und warum Arschloch-Schublade?
Wenn sich zwei Menschen trennen, tun sie das im Idealfall nach vielen Gesprächen und in einem gemeinsamen Beschluss. WIR sind gescheitert, WIR funktionieren zusammen nicht mehr, WIR lieben uns nicht mehr so, wie es sein sollte. Wenn es gut läuft, hat sich eine anstehende Trennung einfach schon über einen gewissen Zeitraum abgezeichnet und beide Partner haben genügend Zeit, sich mit dem Gedanken auseinander zu setzen. Bei einer fairen Trennung setzt man sich dann auch zusammen und spricht über gemeinsame Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und Verantwortlichkeiten. Es gibt aber Partner, die das nicht tun. Sie hängen jahrelang bequem in einer Beziehung herum und lassen es sich gut gehen – und dann sind sie plötzlich weg und hinterlassen nur noch verbrannte Erde. Die gehören auf jeden Fall in die Arschloch-Schublade.

Aber sollte man nicht Wertschätzung empfinden für einen Expartner?
Sollte man, ja. Wenn das möglich ist, kann man mit einer Trennung auch viel besser umgehen. Es ist aber leider nicht immer möglich. Man sagt im Allgemeinen, wenn eine Trennung unfair abläuft, ist auch die Beziehung nicht fair abgelaufen. Das ist auch richtig, aber innerhalb einer Beziehung ist das oft schwer zu erkennen. Man will ja das Miteinander, man will ja Gemeinsamkeiten, man bekommt ja auch an jeder Ecke gesagt, dass man Kompromisse machen muss. Insbesondere Frauen machen immer noch sehr viele Kompromisse und stecken auf persönlicher Ebene sehr zurück. Die Grenzen verschwimmen da einfach ganz oft. Wenn eine Beziehung lebenslang hält, kräht kein Hahn danach, aber wenn so was nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren auseinandergeht, stehen viele Frauen vor einem Scherbenhaufen, der meist auch das Finanzielle und das Berufliche betrifft. Man hat seine Lebensplanung miteinander gemacht und dann bricht der andere einfach aus. Nicht falsch verstehen, jeder, der nicht glücklich ist, sollte sich trennen können, das ist ja nur legitim. Das WIE spielt aber eine wichtige Rolle. Einfach abhauen und den anderen in seinem Scherbenhaufen sitzen lassen – das ist einfach nicht fair. Es ist auch nicht fair, wenn derjenige, der gehen will, dem anderen die Schuld in die Schuhe schiebt. Eine faire Trennung basiert immer auf einem WIR. WIR sind gescheitert. WIR suchen jetzt nach Lösungen. WIR haben uns auseinander gelebt.

Häufiges Grübeln, Verbitterung und Vertrauensverlust…?
Insbesondere Frauen geben sich oft die Schuld, wenn sie verlassen wurden. Sie grübeln und grübeln, spielen alle möglichen Situationen noch mal in Gedanken durch. Stellen nachträglich fest, dass sie irgendwelche Fehler gemacht haben und deswegen verlassen wurden. Das passiert natürlich auch oft, wenn der Ex ihnen die Schuld zugeschoben hat. Verlassen zu werden kann durchaus das Selbstvertrauen zerstören. Wenn man dann noch für die Entscheidung des anderen verantwortlich gemacht wird („Du bist schuld!“) ist das die Hölle für einen betroffenen Menschen, und da kommt man so schnell nicht mehr raus. Alleine darüber entsteht schon eine Menge Verbitterung, aber wenn sich so jemand dann noch mit existenziellen Problematiken und Verantwortlichkeiten herumschlagen muss, ist das ja meist auch nichts, was innerhalb weniger Wochen oder Monate wieder überstanden ist. Da sind Lebenspläne, die man irgendwann mal gemeinsam geschmiedet hat, in die Hose gegangen und wenn man der Mensch ist, der dadurch alles verloren hat, ist man natürlich verbittert. Vertrauensverlust ist daher die logische Folge. Viele Frauen wünschen sich zwar wieder eine Beziehung, schlagen sich aber oft noch Jahre später mit eben dieser Verbitterung herum und haben es schwer, wieder zu vertrauen.

So wie Alexandra…
Ja, die „Beispielfrau“ aus dem Buch. Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, ihre Geschichte sehr ausführlich zu erzählen, statt mehrere Beispiel zu bringen. Ich wollte, dass sich ein rundes Bild ergibt. Aber davon abgesehen, mir sind so einige Alexandras begegnet. Es ist erstaunlich, wie häufig solche Geschichten sich ähneln.

Da sind narzisstische Züge zu erkennen
Ich bin keine Psychologin und darf keine Diagnosen stellen. Davon abgesehen, habe ich Alexandras Ex ja nie persönlich kennen gelernt, sondern stütze mich auf das, was sie mir erzählt hat. Das klang aber alles logisch und nachvollziehbar. Ich sehe da durchaus sehr ausgeprägte, narzisstische Züge bei ihrem Ex. Dieser Ex verhielt sich auch häufig stark passiv-aggressiv. Davon kann sich aber jeder Leser selbst ein Bild machen. Ich wollte kein Buch über Narzissmus schreiben, sondern eines, das Frauen hilft, ihre Trennung zu verkraften und zu verarbeiten. Daher wird der Begriff Narzissmus auch nicht erwähnt. Es geht in diesem Buch um die, die verlassen wurden – nicht um den Ex. Ich wünsche mir, dass die betroffenen Frauen aufhören, sich auf einen Expartner zu konzentrieren, und endlich anfangen, den Fokus auf sich selbst zu legen.

Aber es fällt auf, dass Narzissmus und passiv-aggressiv Begriffe sind, die immer häufiger auch öffentlich diskutiert werden. Psychologen kriegen Narzissten selten in die Finger, und passiv-aggressives Verhalten fällt auch meist nur den unmittelbar davon betroffenen Menschen auf. Es sind die betroffenen Frauen und Männer, die inzwischen sehr, sehr gut über diese Themen informiert sind und sich sogar miteinander austauschen. Das ist eine Entwicklung, die ich sehr begrüße, denn auch ich habe den Eindruck, dass der Narzissmus auf dem Vormarsch ist. Ich bin sicher, dass ganz viele Narzissten unter den Expartnern vertreten sind, von denen ich spreche, wenn ich sage, man soll sie in die Arschloch-Schublade stopfen …

Die Frauen dürfen also wütend sein auf den Ex? 
Ja, das dürfen sie und das sollen sie sogar. Wut als Gefühl wird gerne in die primitive Ecke gestellt. Überall wird von Wertschätzung und Verzeihen gesprochen. Aber immer für den anderen. Den anderen sollen wir wertschätzen, dem anderen sollen wir verzeihen. Trotzdem!!! Das wird gerne als geistige und spirituelle Reife bezeichnet. Ich halte das für Quatsch. Wenn uns jemand zutiefst verletzt hat, dürfen wir zornig sein. Wir müssen auch nicht alles verzeihen, was uns ein anderer Mensch angetan hat. Wir dürfen zornig sein und ich behaupte, dass es gesund ist, sich diesen Zorn einzugestehen. Denn dann wird er irgendwann weniger werden, er baut sich ab. Dann können wir uns selbst verzeihen. Darum geht es. Wir müssen für uns selbst Wertschätzung aufbringen, wir müssen uns selbst verzeihen können.

Und verlassene Frauen haben sich vieles zu verzeihen, meinst du? 
Natürlich. Insbesondere dann, wenn sie irgendwann das Gefühl haben, dass sie aus Liebe zu diesem Menschen alles mögliche erduldet oder in Kauf genommen haben.

In deinem Buch finden sich jede Menge Arbeitsaufgaben. Wer die richtig bearbeiten will, ist damit wochenlang beschäftigt … 
Das stimmt, in den meisten Kapiteln sind ziemlich arbeitsintensive Aufgaben. Man muss sie ja nicht machen, aber klar, wer sie alle gründlich ausarbeiten will, ist damit eine ganze Weile beschäftigt. Aber das ist gut so. Erstens wird mit diesen Aufgaben tatsächlich die gesamte Beziehung aufgearbeitet, und zwar so, wie sie wirklich war, und nicht so, wie man sie gerne gehabt hätte. Zweitens geht es mir auch darum, dass man sich mit sich selbst beschäftigt.

Wie lange dauert es denn, bis so eine Trennung überwunden ist? 
Das ist ganz unterschiedlich. Manche Frauen sind nach wenigen Monaten wieder mitten im Leben und andere kauen drei, vier, fünf Jahre oder sogar noch mehr daran herum. Wie lange es dauert, hängt natürlich immer mit der Gesamtsituation zusammen: Wie lange war man zusammen? Wie lief die Trennung ab? Wie groß waren die zusätzlichen Problematiken (Beruf, Finanzen, Freundschaften, etc.)? Und natürlich … wie sehr möchte man eigentlich verarbeiten? Die Frage ist berechtigt, denn viele Menschen verarbeiten nicht, sondern verdrängen. Und das kommt immer wieder hoch. Man kann sehr viel falsch machen in der Verarbeitung einer Trennung und auch darum hatte ich Alexandra als durchgängiges Beispiel ausgewählt. Sie hat so ziemlich alles falsch gemacht und deswegen unendlich lange gebraucht.

Du hast einen Faceook-Account und eine Seite bei Facebook. Aber nirgends präsentierst du dich mit einem Foto. Hat das einen Grund? 
Ja, hat es. Ich ärgere mich grundsätzlich darüber, wenn Inhalte nach optischen Aspekten bewertet werden. Es geht rein um meine Bücher und nicht um mich als Person.

Vielen Dank für das Interview! 

Wo kaufen?

„Die Arschloch-Schublade“ ist ausschließlich bei Amazon erhältlich, als E-Book und als Printausgabe. Das E-Book kostet 2,99 Euro, das Taschenbuch kostet 8,90 Euro.

Informationen zur Autorin:

Ina Lingner ist in den Sechziger Jahren geboren und hat ursprünglich eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Innerhalb ihres Berufes hat sie sich stets weiter gebildet und immer in Tätigkeiten gearbeitet, in denen sie „mit Menschen zu tun hatte“. Als Dozentin für kaufmännischen Unterricht landete sie zunächst bei unterschiedlichen Bildungsträgern und in verschiedenen Projekten, in denen sie umfangreiche psychosoziale Betreuung zu leisten hatte. Ihr ganzes Leben lang interessierte sie sich für psychologische Themen – und so wurde ihre Leidenschaft zum Beruf. Neben ihren freiberuflichen Jobs als Dozentin geht sie beratenden Tätigkeiten nach und schreibt Sachbücher.

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Veröffentlicht in Bücher, Freizeit, Partnerschaft, Persönlichkeit, Psychologie, Trennung

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